(Quelle: raccoonology, via decadere)
Nirgends hin, als auf den Mund:
Da sinkts in des Herzen Grund.
Nicht zu frei, nicht zu gezwungen,
Nicht mit gar zu faulen Zungen.
Nicht zu wenig, nicht zu viel:
Beides wird sonst Kinderspiel.
Nicht zu laut und nicht zu leise:
Bei der Maß’ ist rechte Weise.
Nicht zu nahe, nicht zu weit:
Dies macht Kummer, jenes Leid.
Nicht zu trocken, nicht zu feuchte,
Wie Adonis Venus reichte.
Nicht zu harte, nicht zu weich,
Bald zugleich, bald nicht zugleich.
Nicht zu langsam, nicht zu schnelle,
Nicht ohn’ Unterschied der Stelle.
Halb gebissen, halb gehaucht,
Halb die Lippen eingetaucht,
Nicht ohn Unterschied der Zeiten,
Mehr alleine denn bei Leuten.
Küsse nun ein jedermann,
Wie er weiß, will, soll und kann!
Ich nur und die Liebste wissen,
Wie wir uns recht sollen küssen.
-Paul Fleming
Mir gefällt´s, wenn du schweigst, als wärst du in der Ferne. Du hörst mich dann, als käme mein Wort weither geflossen. Deine Aufgen, so scheint es, sind heimlich fortgeflogen, und ein Kuß hat, so scheint es, dir deinen Mund verschlossen. Weil jedes Ding erfüllt ist vom Leben meiner Seele, tauchst du auf aus den Dingen, erfüllt von meinem Wesen. Ein Falter wie aus Träumen, ähnelst du meiner Seele, und das Bild deines Daseins läßt das Wort Schwermut lesen. Mir gefällt´s, wenn du schweigst, als wärst du nicht zugegen. Du bist dann wie ein Falter, weinend, daß man dich wiege. Und du hörst mich von weitem, kein Laut kann dich berühren: Laß drum, daß jetzt mein Schweigenin deinem Schweigen liege. Laß, daß ich zu dir rede mit deinem eigenen Schweigen, klar wie die stille Lampe, schlicht wie ein Fingerring. Wie Nachtluft bist du, lautlos, von Lichtern überfunkelt. Du schweigst mit Sternestille, ein fernes, kleines Ding. Du gefällst mir im Schweigen, denn da bist du wie ferne. Entrückt, von Schmerz gezeichnet, als längst du schon im Grabe. Es genügt mir ein Wort dann, ein Lächeln nur, ein kleines. Und ich bin fröhlich, fröhlich, daß ich dich bei mir habe.
jedes Opfer was ich bringe
jede Last mit der ich ringe
doch so kleine Besorgtheit
ist ein Zeichen meiner Menschlichkeit
Wir träumten voneinander
Und sind davon erwacht,
Wir leben, um uns zu lieben,
Und sinken zurück in die Nacht.
Du tratst aus meinem Traume,
Aus deinem trat ich hervor,
Wir sterben, wenn sich eines
Im andern ganz verlor.
Das was uns bleibt
ist der Hohe Ton der Nacht
und Erinnerungen deren Schleier
hoffentlich nie verblasst
tauch ein mit mir in den rausch
lass uns tanzen hand in hand
zu hören auf unser sein
dem instinkt der musik
geh mit mir in den nebel der faszination
der sich absetzt in unseren leben
tief unten an den ort den wir viel zu selten besuchen
fliegen wir doch sonst viel zu hoch
ich lass alle stricke reißen
mich fallen in deine wärme
lausche jedem deiner worte
und bin gebannt vom augenblick
für kurze zeit frei zu sagen
was auf unseren schulter schon viel zu lange liegt
frei sein von zweifel und gedanken
auszusprechen was ich nie hätte je formuliert